Backup, Restore und Migration fuer DACH-Selbststaendige
Fast jede(r) Selbststaendige hat eine Geschichte: das Smartphone gestohlen, die externe Festplatte abgestuerzt, der Cloud-Anbieter gewechselt, die Buchhaltungssoftware kaputtgesyncht. In neun von zehn Faellen ist die Geschichte aergerlich, aber nicht existenziell. Im zehnten Fall ist sie existenziell. Dieser Artikel verhindert den zehnten Fall.
Warum Backup fuer Selbststaendige besonders kritisch ist
Angestellte haben eine IT-Abteilung. Bei Selbststaendigen sind Sie die IT-Abteilung. Wenn Ihre Rechnungsdaten verschwinden, dann verschwindet:
- Ihre Forderungshistorie (welche Rechnungen sind bezahlt, welche offen?)
- Ihre Belegnachweise (was waren die Rechnungspositionen?)
- Ihre Kundenstammdaten
- Im schlimmsten Fall der GoBD-Nachweis fuer das laufende und vorhergehende Jahre
Die GoBD verlangt 10 Jahre Aufbewahrung. Wer einen Datenverlust hat und nicht rekonstruieren kann, riskiert in einer spaeteren Betriebspruefung Schaetzungen. Mehr dazu im Leitfaden GoBD-konforme Buchhaltung.
Aufbewahrungsfristen in DACH
- Deutschland: 10 Jahre fuer Buecher, Rechnungen, Buchungsbelege (§ 147 AO, § 257 HGB).
- Oesterreich: 7 Jahre fuer Bucher und Belege (§ 132 BAO), 22 Jahre bei Liegenschaftsgeschaeften.
- Schweiz: 10 Jahre fuer Geschaeftsbuecher, Belege und Rechnungen (Art. 70 MWSTG, Art. 958f OR), 20 Jahre bei Liegenschaften.
De facto sollten Sie die laengste relevante Frist anlegen: 10 Jahre als Mindeststandard, 22 Jahre fuer Vertraege mit immobilienbezogenem Inhalt.
Die 3-2-1-Regel
Die 3-2-1-Regel ist die einfachste robuste Backup-Strategie:
- 3 Kopien der Daten (das Original plus zwei Backups)
- 2 verschiedene Speichermedien (z.B. interner Speicher + externe Festplatte; nicht zwei externe Festplatten gleicher Marke)
- 1 Off-Site-Kopie (an einem geografisch getrennten Ort, z.B. Cloud oder zweite Festplatte im anderen Haus)
Fuer einen typischen Solo-Selbststaendigen mit InvoiceFlow auf dem Smartphone bedeutet das:
- Kopie 1: Daten auf dem Smartphone (Original).
- Kopie 2: monatlicher Export auf eine externe SSD, die im Buero oder zuhause liegt.
- Kopie 3: quartalsweise verschluesselte Datei in einem Cloud-Speicher (z.B. eigene Nextcloud, oder Standardcloud wie Dropbox/Drive mit Ende-zu-Ende-Verschluesselung).
Was Sie konkret sichern muessen
Nicht nur die Rechnungs-App. Sondern alles, was im Zweifel relevant ist:
- Datenbank-Export der Rechnungs-App (CSV, JSON oder app-eigenes Format)
- Die PDF-Originale aller ausgestellten Rechnungen
- Eingangsbelege (Kassenbons-Fotos, Eingangsrechnungen)
- Kontoauszuege aus dem Online-Banking
- Vertraege mit Kunden und Lieferanten
- Verfahrensdokumentation
- Steuerbescheide und Korrespondenz mit dem Finanzamt
Sicherungsrhythmus
Taeglich (automatisch)
Die meisten modernen Apps und Cloud-Speicher synchronisieren automatisch im Hintergrund. InvoiceFlow speichert alle Aenderungen sofort lokal; wer den optionalen Cloud-Sync aktiviert, hat auch dort einen aktuellen Stand. Das ist kein Backup, sondern Spiegelung — bei einem versehentlichen Loeschen oder einer Datenkorruption greift es nicht.
Woechentlich
Empfehlung: jeden Freitag einmal die App-eigene Export-Funktion ausfuehren und auf eine externe SSD oder einen lokalen Server kopieren. 5 Minuten Aufwand.
Quartalsweise
Alle 90 Tage: ein vollstaendiger Sicherungslauf, der saemtliche Datenbereiche (App-Export, PDFs, Belege, Kontoauszuege) in einem verschluesselten ZIP-Archiv bundelt und sowohl lokal als auch in der Cloud ablegt. Diese Quartalssicherungen heben Sie 10 Jahre auf.
Jaehrlich
Am Jahresende, idealerweise zwischen den Tagen: ein Jahres-Archiv, das den vollstaendigen Stand des Geschaeftsjahres dokumentiert. Auf zwei Datentraegern, einer davon offline (Brandschutz-Stahlbox).
Restore-Tests: das vergessene Pflichtprogramm
Backups, die nie getestet werden, sind keine Backups. Sie sind ein Versprechen, das im Ernstfall vielleicht nicht haelt. Einmal pro Quartal sollten Sie einen Restore-Test machen:
- Nehmen Sie ein altes Backup (z.B. drei Monate alt).
- Installieren Sie InvoiceFlow auf einem Zweitgeraet (oder loeschen Sie eine Testumgebung).
- Importieren Sie das Backup.
- Stichprobe: Sind die letzten zehn Rechnungen vorhanden? Stimmen Summen, Kunden, Daten?
- Vergleich gegen das aktuelle System.
Wenn der Restore funktioniert, wissen Sie, dass Ihr Backup hilft. Wenn nicht, wissen Sie jetzt — und nicht erst im Notfall.
Migration zwischen Geraeten
Ein Smartphone-Wechsel ist der haeufigste Auslöser fuer Backup-Probleme. Empfohlener Ablauf:
- Auf dem alten Geraet: vollstaendigen Export ueber die App-Funktion ausloesen.
- Export per E-Mail an sich selbst oder ueber einen Cloud-Ordner ablegen.
- InvoiceFlow auf dem neuen Geraet installieren.
- In den App-Einstellungen: "Aus Backup wiederherstellen".
- Backup auswaehlen, Import laufen lassen.
- Stichprobenpruefung: letzte zehn Rechnungen, Kundenstamm, offene Forderungen.
- Erst dann das alte Geraet zuruecksetzen.
Niemals das alte Geraet zuruecksetzen, bevor das neue Geraet einen erfolgreichen Restore mit Stichprobe hat.
Cloud-Speicher: was beachten
EU vs. Drittland
Die GoBD und die schweizerische Datenschutzgesetzgebung erlauben Cloud-Speicherung im EU- bzw. EFTA-Raum ohne Sondergenehmigung. Speicherung auf Servern in den USA oder anderen Drittlaendern ist moeglich, aber im Streitfall mit datenschutzrechtlichen Hindernissen verbunden. Pruefen Sie, wo die Server Ihres Anbieters stehen.
Verschluesselung
Sensible Daten (Kundennamen, Adressen, Bankverbindungen) gehoeren nicht unverschluesselt in einen Public-Cloud-Bucket. Nutzen Sie:
- Anbieter mit Ende-zu-Ende-Verschluesselung (Tresorit, pCloud Encrypted Folder, Proton Drive)
- oder verschluesseln Sie ZIP-Archive lokal mit AES-256 (z.B. ueber 7-Zip mit starkem Passwort)
Passwortverwaltung
Backup-Passwoerter gehoeren in einen Passwortmanager (Bitwarden, 1Password). Wer sein Backup-Passwort vergisst, hat kein Backup. Auch eine Papierkopie an einem sicheren Ort (Tresor) ist eine Versicherung.
Praxisbeispiel: Markus aus Linz
Markus ist Webentwickler in Linz mit 76.000 Euro Jahresumsatz. Sein Setup:
- InvoiceFlow auf dem Smartphone (Original)
- Jeden Freitag, 16:45 Uhr: Export auf eine externe SSD im Buero (5 Minuten, Kalender-Reminder)
- Jeden Quartalsmittwoch: verschluesseltes ZIP mit App-Export, PDFs, Belegen, Kontoauszuegen, in seine Nextcloud auf einem Hetzner-Server in Deutschland (45 Minuten)
- Am 31.12. eines jeden Jahres: Jahres-Archiv auf zwei externen SSDs, eine davon bei seinem Bruder in Salzburg (Off-Site)
- Einmal pro Jahr: Restore-Test auf einem alten Tablet
Investitionsaufwand: 4 Stunden pro Jahr fuer die Sicherungslaeufe, plus 90 Minuten pro Jahr fuer den Restore-Test. Ergebnis: Markus weiss, dass selbst bei totalem Geraeteverlust sein Geschaeft in 90 Minuten wieder einsatzbereit ist.
Was passiert bei Datenverlust ohne Backup
Kein theoretisches Szenario:
- Smartphone wird im Cafe gestohlen. Wer keine aktive Cloud-Synchronisation und kein lokales Backup hat, verliert alle nicht-gesendeten Rechnungen, Entwuerfe, Kundenpflegehinweise.
- Externe Festplatte stirbt. Wer nur dort sichert, hat die Sicherung verloren und merkt es erst beim naechsten Restore-Versuch.
- Ransomware verschluesselt alle lokalen und alle eingebundenen Cloud-Daten. Wer keinen wirklich offline gehaltenen Stand hat, ist verloren.
- Cloud-Anbieter macht zu (z.B. Dienstabschaltung). Wer alle Eier in einen Korb gelegt hat, hat 14 Tage Reaktionszeit.
In allen Faellen ist die Wiederherstellung kompliziert oder unmoeglich. Bei einer GoBD-Pruefung wird der Datenverlust kein Entlastungsgrund sein.
Wie InvoiceFlow Backup unterstuetzt
- Lokale Sicherung: alle Daten liegen auf dem Geraet, App funktioniert offline.
- Vollexport: in den Einstellungen koennen Sie jederzeit einen vollstaendigen Datenexport als ZIP-Archiv ausloesen. Enthaelt CSV-Tabellen aller Entitaeten plus alle PDFs und Belegfotos.
- Cloud-Sync (optional): Spiegelung in einen von Ihnen gewaehlten Cloud-Speicher. Ersetzt kein Backup, ist aber Schutz vor Geraeteverlust.
- Import in neuem Geraet: bei der Erstinstallation oder ueber Einstellungen koennen Sie ein vorhandenes Backup einspielen.
- Mehrere Profile getrennt: Sie koennen pro Profil exportieren, sinnvoll bei steuerlicher Trennung.
Backup ist Teil der Verfahrensdokumentation
In Ihrer GoBD-Verfahrensdokumentation muss beschrieben sein, wie Ihre Datensicherung funktioniert. Konkret: welche Daten, in welchem Rhythmus, an welchen Orten, mit welchen Verantwortlichen, mit welcher Restore-Routine. Ein zweiseitiges Dokument reicht; aktualisieren Sie es jaehrlich.
Checkliste Backup-Hygiene
- [ ] 3-2-1-Regel umgesetzt: drei Kopien, zwei Medien, eine Off-Site
- [ ] Woechentlicher Export auf externes Medium (Kalender-Reminder)
- [ ] Quartalsweise vollstaendige Sicherung in verschluesseltem Archiv
- [ ] Jaehrliches Jahres-Archiv auf zwei Medien, eines off-site
- [ ] Jaehrlicher Restore-Test mit Stichprobe
- [ ] Backup-Passwoerter in Passwortmanager und als Papierkopie im Tresor
- [ ] Cloud-Speicher mit Servern in EU/EFTA bzw. mit Ende-zu-Ende-Verschluesselung
- [ ] Verfahrensdokumentation enthaelt Backup-Beschreibung
- [ ] Migration-Plan fuer Geraetewechsel bekannt
Was Sie nicht tun sollten
Backup auf demselben Geraet. Eine Kopie auf der gleichen Festplatte ist keine Sicherung. Sie schuetzt nicht gegen Geraeteverlust oder -ausfall.
Backup ohne Restore-Test. Sie wissen sonst nicht, ob es funktioniert.
Alles in einer Cloud. Wenn die Cloud ausfaellt oder Ihren Zugang sperrt, sind Sie raus. Diversifizieren Sie.
Ungezogene Smartphone-Wechsel. Erst das neue Geraet erfolgreich, dann das alte zuruecksetzen. Nie umgekehrt.
Spezialfall: Datenmigration zu einer anderen Software
Wenn Sie irgendwann InvoiceFlow gegen eine andere Loesung tauschen wollen (oder umgekehrt aus einer anderen Loesung migrieren), achten Sie auf:
- Vollstaendiger CSV-Export mit allen Feldern (Kunden, Rechnungen, Positionen, Zeitstempel)
- PDF-Originale aller Rechnungen separat
- Ihre Verfahrensdokumentation entsprechend aktualisieren
- Beide Systeme parallel halten, bis ein Restore-Test der neuen Loesung erfolgreich ist
- Beim Steuerberater den Datenfluss neu abstimmen
Schlusswort
Paranoia ist in der Datensicherung keine Krankheit, sondern Berufsethos. Wer einmal einen ernsten Datenverlust hatte, weiss, wie hoch der emotionale und finanzielle Preis ist. Die 4-5 Stunden pro Jahr, die ein sauberes Backup-System kostet, sind die billigste Versicherung Ihrer geschaeftlichen Existenz. Setzen Sie sie heute auf. Nicht morgen.